Tiefdruck ohne Andruck – geht das überhaupt?

Die Produktion von Tiefdruckzylindern konnte in den vergangenen 20 Jahren durch schnellere Graviermaschinen, präzisere Gravierverfahren und vollautomatische Fertigungslinien erheblich verbessert werden. Ein Prozessschritt wird jedoch bei all den Optimierungen bislang nicht berücksichtigt und nach wie vor manuell durchgeführt: der Zylinderandruck.  Nach dem Gravieren und Verchromen wird der fertige Tiefdruckzylinder angedruckt. Der Andruck dient seit jeher als Medium für die Qualitätskontrolle, der durch viele Faktoren bestimmt wird. Dabei sind die Rahmenbedingungen und die ausschließlich manuellen Arbeitsschritte beim Erstellen von Zylinderandrucken sehr komplex. Doch ist der Zylinderandruck im Rahmen von Industrie 4.0 und der zunehmenden Digitalisierung noch zeitgemäß und richtig?

Herstellung eines Zylinderandrucks

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Die Andruck wird erstellt, nachdem der Zylinder die Fertigungsschritte „Kupfer – Gravur/Laser – Chrom“ durchlaufen hat. Dafür wird eine spezielle Andruckmaschine eingesetzt. Der Andrucker führt dabei sämtliche Arbeitsschritte an der Maschine manuell aus: vom Aufziehen des richtigen Bedruckstoffs über das Einspannen, Justieren und Einpassen des Zylinders bis hin zum exakten Mischen kleinster Farbmengen (detaillierte Ablaufbeschreibung siehe Kasten). Vor dem Versand der Zylinder an den Kunden wird der Andruck von einer sogenannten Endkontrolle noch einmal akribisch geprüft. Geschultes Personal prüft den Andruck visuell auf bestimmte Qualitätsmerkmale, wie z. B. Fehlstellen, Nutzengleichheit, Vollständigkeit, Farbe oder Gravuraussetzer.

Was soll mit dem Andruck erreicht werden?

Der Andruck ist ein Instrument zur Qualitätskontrolle des Tiefdruckzylinders. Zum einen sollen damit Fehlstellen sichtbar gemacht werden, zum anderen soll der Nachweis für die Reproduzierbarkeit des Druckzylinders erbracht werden. Meistens wird mit dem Andruck das vom Kunden freigegebene Proof farblich nachgestellt und der Andruck als Farbvorlage an der Druckmaschine eingesetzt.

Der Andruck ist die Versicherung, sowohl für den Zylinderhersteller als auch für den Drucker. Denn auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Zylindersatz fehlerfrei ist und die freigegebene Farbvorlage in der Druckproduktion erreicht werden kann. Sollte allerdings trotz dieser Versicherung der Zylinder zu einem späteren Zeitpunkt einen Fehler aufweisen oder das Farbziel nicht erreicht werden, muss der Tiefdruckzylinderhersteller mit einer Reklamation rechnen.

Warum kann auf den Andruck verzichtet werden?

Die Diskussion um den Aufwand und den Nutzen des Zylinderandrucks gibt es schon lange. Befeuert werden diese Diskussionen noch durch die Marktanforderung an kürzere Durchlaufzeiten. Der Tiefdruck befindet sich in dieser Hinsicht im direkten Wettbewerb zum Flexo- und Offsetdruck und vermehrt auch zum Digitaldruck. Die Verfügbarkeitszeiten der Druckformen sind in den anderen Verfahren kürzer als im Tiefdruck.

Das liegt unter anderem an den folgenden Aspekten, die Sie in der Flexo+Tief-Druck 6-2018 lesen können. [6858]