Interview mit Randy Vandagriff (Kodak Senior Vice President,Print)

Innovative Dynamik für den digitalen Verpackungsdruck 

Randy Vandagriff, Senior Vice President, Print, Kodak (Quelle: Kodak)

Im Interview mit der Redaktion von Flexo+Tief-Druck erläutert Randy Vandagriff (Kodak Senior Vice President,Print) ausführlich, warum nach seiner Ansicht der Digitaldruck für flexible Verpackungen eine echte Alternative zum Flexo- und Tiefdruck darstellt. 

Welche Markttrends begünstigen den digitalen Verpackungsdruck?
Randy Vandagriff:
Wir sehen heute generell sinkende Auflagen und Losgrößen, häufigere Designwechsel und kurzfristige Werbekampagnen oder Gewinnspiele auf Verpackungen. Gleichzeitig nehmen Forderungen nach kürzeren Vorlaufzeiten, mehr Individualisierung und der Serialisierung von Verpackungen und nicht zuletzt nach größerer Nachhaltigkeit sowie der Bewahrung von Ressourcen zu. Dafür liefert der Digitaldruck passende Antworten.

Anzeige

Seit wann arbeitet Kodak mit Uteco in der Entwicklung digitaler Verpackungsdrucklösungen zusammen? Wie kam es zu dieser Partnerschaft und welche Vorteile haben Verpackungsdrucker von dieser Kooperation?
Randy Vandagriff:
Unsere Zusammenarbeit mit der Uteco Gruppe begann vor mehr als sieben Jahren. Schon auf der drupa 2016 präsentierten wir eine Inkjet-Digitaldruckmaschine, die Folien siebenfarbig bei einer Bahngeschwindigkeit von 200 m/min bedruckte. Die Maschine hatte eine Inline-Station für den Auftrag von wasserbasierendem Primer und auch ein digitales Lackwerk.

Unsere Partnerschaft führt das Beste aus beiden Welten zusammen und sorgt für eine einzigartige Kombination aus hochentwickeltem Maschinenbau und innovativer Digitaldrucktechnologie. Uteco ist ein führender Hersteller von Verpackungsdrucktechnologien wie Flexo- und Tiefdruck sowie von Beschichtungs- und Kaschierlösungen. Kodak wiederum steuert seine Hochgeschwindigkeits-Continuous-Inkjet-Technologie plus die kostengünstigen und umweltfreundlichen, wasserbasierenden Kodak Prosper QD Verpackungstinten und Optimizer Agents (Primer) bei. Drucker, die sich für eine Uteco Sapphire EVO M oder W Druckmaschine entscheiden, erhalten eine digitale Produktionslösung, die an die meisten gängigen Druckmaschinenformate für flexible Verpackungen angepasst ist und sie befähigt, gegenwärtigen und künftigen Markttrends bei flexiblen Verpackungen gerecht zu werden.

Was waren Ihre Ziele bei der Entwicklung der Sapphire EVO M und W Druckmaschinen?
Randy Vandagriff:
Wir wollten den digitalen Verpackungsdruck zu einem allgemein genutzten Verfahren machen. Es war unser Ziel, die kostengünstigste Hochproduktivitätslösung für kleine oder mittlere Produktionsmengen und Anwendungen mit variablen Daten einzuführen, die es Markenartiklern ermöglicht, innovative Verpackungen zu realisieren und Verpackungsdrucker in die Lage versetzt, mehr Aufträge vom Flexo- und Tiefdruck in den Digitaldruck zu verlagern. Beide Druckmaschinen bieten dank der Implementierung der Continuous-Inkjet-Technologie und der QD Verpackungstinten von Kodak niedrige Betriebskosten, eine hohe Druckgeschwindigkeit sowie eine konsistente und hohe Druckqualität.

Die Sapphire EVO M hat eine maximale Bahnbreite von 650 mm, womit sie in das mittlere Bahnbreitensegment von Flexodruckmaschinen zielt, während die Sapphire EVO W für eine Bahnbreite von bis zu 1370 mm ausgelegt ist und den Breitbahnmarkt anspricht. Die Maschinen bedrucken eine große Bandbreite geeigneter Bedruckstoffe, wie weiße und transparente Kunststofffolien, Papiere, Karton und Aluminium. Deshalb sind die Sapphire EVO-Druckmaschinen sehr vielseitige Maschinen für den Druck flexibler Verpackungen.

Welches Umsatzvolumen und welche Wachstumsaussichten hat der weltweite Markt für flexible Verpackungen, für den die Sapphire EVO M und W Druckmaschinen konzipiert wurden?
Randy Vandagriff:
Verpackungen machen insgesamt etwa 25 % des gesamten weltweiten Druckvolumens aus, und dieser Anteil steigt weiter. Laut einem Bericht, den das Marktforschungsunternehmen Fior Markets im letzten Jahr veröffentlicht hat, soll der weltweite Markt für flexible Verpackungen von 252,34 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 bis zum Jahr 2025 auf 370,23 Milliarden US-Dollar wachsen, dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 4,91 Prozent.

Die Digitaldruckmaschine Sapphire-EVO-W
(Quelle: Kodak)

Neben der Tatsache, dass das Marktsegment der flexiblen Verpackungen ein stetiges Wachstum verzeichnet, legt der Inkjet-Verpackungsdruck mit einer Rate von 32 Prozent zu. Das bedeutet, dass die Sapphire EVO M und W Druckmaschinen ideale Lösungen für ein hochvolumiges Marktsegment mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten sind.

Wie stellt sich die Druckqualität der Sapphire EVO M und W Druckmaschinen gegenüber dem Flexo- und Tiefdruck dar und welche Eigenschaften der Kodak Inkjet-Technologie und Tinten sind für die Qualität entscheidend?
Randy Vandagriff:
Beide Druckmaschinen liefern eine Druckqualität, die mit analogen Verfahren wie dem Flexo- und dem Tiefdruck, mit welchen traditionell im Verpackungsdruck produziert wird, vergleichbar ist. Die Druckqualität der Sapphire EVO M wird häufig als gleichwertig oder besser als Ergebnisse des Flexodrucks auf flexiblen Medien erachtet. Die Sapphire EVO W-Druckmaschine legt mit ihrer Kodak Ultrastream Inkjet-Technologie den Qualitätsmaßstab noch höher und ist mit dem hochwertigen Tiefdruck vergleichbar. Hier spielen die kostengünstigen, wasserbasierenden Kodak Prosper QD-Verpackungstinten, bei denen Nanopartikel-Pigmente zum Einsatz kommen, eine entscheidende Rolle. Kodaks eigenentwickelter Tintenpigment-Mahlprozess führt dazu, dass die Druckmaschinen einen um 95 % größeren Farbraum als der SWOP-Offsetdruck liefern und 93% der Pantone-Farben (innerhalb von 4 Delta E) erreichen können. Dadurch können die Sapphire EVO Maschinen lebendige Bilder mit kräftigen Farben drucken, Markenfarben authentisch wiedergeben und die Erwartungen von Markenunternehmen und Verpackungsherstellern übertreffen – lediglich mit CMYK-Druck und ohne die Notwendigkeit zusätzlicher Sonderfarben.

Bis zu welchen Produktionsvolumen können die Sapphire EVO M und W Druckmaschinen unter Kostengesichtspunkten mit dem Flexodruck konkurrieren?
Randy Vandagriff:
Die Sapphire EVO Druckmaschinen sind hinsichtlich der Betriebskosten bis zu einem Produktionsvolumen von etwa 20.000 Quadratmeter – oder mehr bei variablen Inhalten – mit dem Flexodruck konkurrenzfähig. Darüber hinaus können Verpackungsdrucker mit einer Sapphire EVO Druckmaschine knappe Termine besser einhalten und mehr Gewinn pro Auftrag erzielen.

In welchen Punkten und wodurch sind Sapphire EVO M und W anderen Digitaldrucklösungen für flexible Verpackungen überlegen, und was bedeutet das für den Drucker bzw. Kunden?
Randy Vandagriff:
Hier geht es in erster Linie um Geschwindigkeit, Produktivität und Betriebskosten. Die Sapphire EVO-Druckmaschinen sind ungefähr vier- bis achtmal produktiver als konkurrierende Digitaldruckmaschinen für flexible Verpackungen – bei nur der Hälfte der Betriebskosten. Anwender dieser Druckmaschinen können daher enorme Einsparungen an Zeit, Rüstaufwand und Kosten erzielen und mehr Gewinn pro Auftrag machen.

Welche Optionen zur Integration zusätzlicher Prozess- oder Verarbeitungsschritte gibt es für die Sapphire EVO M und W Druckmaschinen?
Randy Vandagriff:
Die Sapphire EVO-Druckmaschinen sind in kundenspezifischen Konfigurationen  mit Inline-Primerauftrag für unterschiedliche Bedruckstoffklassen, mit einer Flexodruckeinheit für Deckweiß und mit Nachbeschichtung bzw. Lackierung erhältlich. Dies ermöglicht Verpackungsdruckern, die Digitaldruckmaschine für ihre spezifischen Produktionserfordernisse maßzuschneidern.

Das Bedrucken von Folien mit wasserbasierenden Tinten stellt gewisse Herausforderungen hinsichtlich Substrat-Vorbehandlung, Eigenschaften der Tinten, Trocknung, Weiterverarbeitungseigenschaften der bedruckten Folien. Wie haben Sie diese gelöst?
Da Kodak die Continuous-Inkjet-Technologie verwendet – und nicht Drop-On-Demand wie alle anderen Anbieter – enthalten unsere Tinten wesentlich weniger Feuchthaltemittel, was für eine schnellere Trocknung sowie eine hohe Haftfestigkeit der Tinten sorgt. Kodak hat bei der Entwicklung der neuen QD-Verpackungstinten einen innovativen Ansatz implementiert. Statt die Tinten an unterschiedliche Bedruckstofftypen anzupassen und verschiedene Tintensätze zu entwickeln, liefert Kodak sogenannte Optimizer Agents bzw. Primer, die es ermöglichen, eine große Vielfalt von Bedruckstoffen mit nur einem Tintensatz zu bedrucken und dabei eine gleichwertige, hohe Druckqualität zu erzielen. Die kostengünstigen, wasserbasierenden Optimizer Agents bereiten die Oberfläche flexibler Folien und anderer nichtsaugender Bedruckstoffe vor, um den Inkjetdruck in höchster Qualität und mit optimaler Haftung zu ermöglichen. Für die Trocknung der Tinten auf nichtsaugenden Bedruckstoffen sind die Sapphire EVO-Druckmaschinen mit einen speziellen Heißluft/IR-Trocknungssystem ausgestattet.

Ein sehr wichtiger Faktor im Hinblick auf die reibungslose Weiterverarbeitung der bedruckten Substrate zu qualitativ hochwertigen Verpackungen ist, dass Folien, die mit Prosper QD-Verpackungstinten und Optimizer Agents bedruckt wurden, zu Verpackungs-Verbundfolien verarbeitet werden können, die eine marktführende Verbundfestigkeit bieten. Dabei ist die Kaschierung mit lösemittelfreien, wasserbasierenden und lösemittelbasierenden Klebstoffen möglich. Anwender können daher ihre Palette flexibler Verpackungsanwendungen erweitern und die Kundenzufriedenheit steigern.

Kinyosha in Japan druckt auf der Sapphire EVO M unterschiedliche Anwendungen auf Papieren und Kunststoffmaterialien
(Quelle: Kodak)

Inzwischen wurden schon mehrere Sapphire EVO M Druckmaschinen bei Kunden auf der ganzen Welt installiert. Wie sind die Rückmeldungen dieser Anwender aus der Praxis?
Randy Vandagriff:
Die bisherigen Rückmeldungen von Kunden, welche bereits mit der Sapphire EVO M produzieren, sind überwältigend positiv. Kinyosha in Japan druckt auf der Sapphire EVO M unterschiedliche Anwendungen auf Papieren und Kunststoffmaterialien für führende Markenunternehmen. Die Digitaldruckmaschine eröffnet dem Unternehmen bislang nicht dagewesene Möglichkeiten für den Eintritt in neue Geschäftssegmente und die Forcierung innovativer digitaler Konzepte für seine anspruchsvollen Kunden.

Ein anderer Anwender, der italienische Verpackungsproduzent Nuova Erreplast, bestätigt, dass die Sapphire EVO M dem Flexodruck hinsichtlich Druckqualität und Weiterverarbeitungsmöglichkeiten ebenbürtig ist. Laut Nuova Erreplast ist die Druckmaschine eine perfekte Ergänzung ihrer konventionellen Flexodruckproduktion, die den Kunden des Unternehmens eine Plattform zur Umsetzung innovativer Verpackungskonzepte und Werbeprogramme bietet, bei denen es auf kurze Vorlaufzeiten und niedrige Kosten ankommt.

Das Interview stammt aus dem Special “Digital Printing today”, das als “Heft im Heft” im vergangenen Jahr in der Flexo+Tief-Druck 6-2020 veröffentlicht worden ist.

Das könnte Sie auch interessieren