Marktbefragung „Flexodruckformen“

Fujifilm Europe – Jürgen Geyer

Zur Differenzierung des aktuellen und künftigen Status der Flexodruckform (Platten und Sleeves), befragte die Redaktion von Flexo+Tief-Druck verschiedene Zulieferer von Druckformen für das Flexodruckverfahren. Lesen Sie nachfolgend die Antworten von  Jürgen Geyer, Product Manager Flexo Consumables Graphic Systems, auf die drei Fragen.

Gibt es Ihrer Einschätzung nach weitere Optimierungspotenziale für den Fertigungsprozess von Flexodruckformen (Platten, Rundruckformen)?

Generell fordert der Markt höhere Produktivität und Wirtschaftlichkeit in der Herstellung von Flexodruckplatten. Während Vorstufe und Plattenherstellung mittlerweile mit CtP-Systemen weitgehend optimiert sind, gibt es bei herkömmlichen Prozessen der Plattenherstellung noch immer erheblichen Optimierungsbedarf, da diese noch immer viele Arbeitsschritte und Variablen aufweisen. Hersteller lösemittelbasierte Technologien haben ihre Prozesse weitgehend mit einem Automatisierungsgrad stabilisiert.

Mit wasserauswaschbaren Flexoplatten wie der Flenex FW von Fujifilm wurden entscheidende Fortschritte gegenüber thermischen und lösemittelbasierenden Prozessen erzielt. Bei diesen Fotopolymerplatten, die auf einer speziellen sauerstoffunempfindlichen Kautschukverbindung aufgebaut sind, ist die Herstellzeit pro Stück bei ebenfalls hohem Automatisierungsgrad und hervorragender Flat-Top-Dot-Druckpunktqualität auf etwa 40 Minuten verkürzt. Das entspricht etwa einem Drittel der Zeit, die lösemittelbasierte Systeme beanspruchen und der halben Zeit, die thermische und andere auf Wasser basierende Auswaschtechnologien benötigen. Hinzu kommen die ökologischen Vorteile des Prozesses.

Kann das Drucken mit fester Farbpalette (Fixed Colour Palette/FCP) zur weiteren Leistungssteigerung im Flexodruck beitragen?

Das Drucken mit fester Farbpalette kann die Leistungsfähigkeit des Flexoverfahrens erhöhen und damit einen Beitrag zu mehr Standardisierung leisten, an der es in diesem Markt bislang mangelte. In Kombination mit der Vorhersagbarkeit der Flat-Top-Dot-Druckpunktqualität und den heute verfügbaren besseren Farbmanagement-Lösungen eröffnet das Drucken mit fester Farbpalette den Markenartiklern die Möglichkeiten, im Flexodruck weltweit gleiche Ergebnisse zu erreichen. Zumal mit neuen Flexodruckmaschinen leichter eine dem Offset vergleichbare und wiederholbare Qualität erzielbar geworden ist. Mit seiner umfassenden Praxiserfahrung mit dem Offsetdruck verfügt Fujifilm über das Know-how, beide Prozesse bei reproduzierbaren Ergebnissen aufeinander abzustimmen.

Allerdings sind beim Drucken mit fester Farbpalette nicht so ohne weiteres bestimmte Schmuck- und Sonderfarben exakt reproduzierbar, wie das bei Farbsystemen der Fall ist, die gezielt auf ausgewählte Bedruckstoffe abgestimmt werden.

Industrie 4.0 bzw. Print 4.0 hat die durchgehende Vernetzung und Automatisierung der gesamten Wertschöpfungskette zum Ziel. Auf der drupa 2016 wurden Lösungen von Herstellern wie Esko, Vianord und AV Flexologic für die weitere (teilweise) Automatisierung im Bereich der Herstellung von Flexodruckplatten präsentiert.

Ist dies Ihrer Meinung nach Ausdruck einer Tendenz zur nachhaltigen Veränderung der gesamten Flexobranche?

Der Trend zu einem höheren Automatisierungsgrad im Flexodruck ist deutlich erkennbar und wird sich im Markt – vergleichbar der CtP-Technologie im Offset seit dem Jahr 2000 – zunehmend durchsetzen. Auch Fujifilm arbeitet an einer kontinuierlichen weiteren Automatisierung der Plattenherstellung für den Flexodruck bei gleichzeitiger Optimierung der Umweltverträglichkeit des Verfahrens. Kürzere Plattenherstellzeiten bedeutet stets auch höhere Flexibilität. Dies bezieht sich insbesondere auf Eilaufträge oder Last-Minute-Änderungen seitens der Kunden, da eine schnellere Reaktionsfähigkeit gegeben ist und sich die Kapazitäten der Flexodruckmaschinen besser ausschöpfen lassen. Gleiches gilt, wenn Neubelichtungen von Druckplatten erforderlich sind.

Anderseits erfordert die Automatisierung des Flexodruckverfahrens hohe Investitionen, die sich kleinere Betriebe oftmals nicht leisten können oder wollen. Diese werden dann wohl auf den Digitaldruck ausweichen.