Der Digitaldruck verändert den europäischen Preprint-Markt

In den vergangenen zwei Jahren haben die europäischen Unternehmen im Wellpappen-Preprint ihre digitalen Produktionskapazitäten massiv auf- und ausgebaut. Auf die analogen Druckkapazitäten wirkte sich das bislang noch nicht aus. Sie wurden in diesem Zeitraum nur unwesentlich reduziert. Doch der Digitaldruck hat den europäischen Preprint-Markt erfasst und wird ihn wohl in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.

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Der digitale Preprint in Europa konzentriert sich auf vier Wellpappenhersteller (siehe Kasten). Angefangen hat alles im Jahr 2015 mit der Installation von drei Digitaldruckmaschinen HP T400. Nachdem HP und KBA ihre Partnerschaft für den Bau der breitbahnigen Preprint-Digitaldruckmaschine HP PageWide T1100S bekanntgaben, erfolgte im Jahr 2016 deren erste Installation am Produktionsstandort von DS Smith in Featherstone, England. Der italienische Wellpappenhersteller Ghelfi Ondulati in Buglio in Monte erhielt kurz darauf die zweite Maschine. Im April 2017 nahm die Thimm Gruppe ihre erste HP PageWide T1100S bei Christiansen Print in Ilsenburg in Betrieb. Knapp ein Jahr später, im Mai 2018, installierte die DS Smith-Gruppe ihre zweite Digitaldruckmaschine dieses Typs am Standort in Fulda.

Produktionskapazitäten in Europa?

Der Wellpappen-Preprint in Europa ist kein Segment, für das offizielle Zahlen zur Verfügung stehen. Für diese Studie hat Michael Weber, Leiter Corporate Marketing der Thimm Gruppe, die analogen Produktionskapazitäten in Europa basierend auf Hochrechnungen und Einschätzungen ermittelt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die jährlichen Preprint-Kapazitäten in Europa etwa 2 Mrd. m² betragen. An der Spitze steht die Thimm Gruppe mit einer Jahres-Produktionskapazität von 440 Mio. m², gefolgt von DS Smith und Smurfit Kappa.

Nach Angaben der FEFCO (Europäischer Verband der Wellpappenhersteller) beträgt die derzeitige Wellpappen-Gesamtproduktion in Europa 43,9 Mrd. m²/Jahr. Der Anteil des analogen Preprints liegt demnach bei knapp unter 5 % im Vergleich zum analogen Postprint. Aus der Historie betrachtet ist der analoge Postprint unter anderem aufgrund seiner Flexibilität oder des Trends zu kleineren Losgrößen stärker gewachsen als der analoge Preprint. Nachdem nun aber digitale Preprint-Systeme im Markt sind und digitale Postprint-Systeme vor der Markteinführung stehen, kann man gespannt sein, wie sich die beiden Verfahren für den digitalen Wellpappendruck weiter entwickeln werden.

Auswirkungen auf die Druckkapazitäten

Die 2,80 m breite T1100S PageWide Web-Rollendruckmaschine gibt HP mit einer Leistung von 30.600 m²/Stunde an. Das Leistungsvermögen der kleinen 1,06 m breiten T400S beträgt 11.640 m²/Stunde. Beide Angaben basieren auf einer Druckgeschwindigkeit von 183 m/min. Doch das sind keine praxistauglichen Werte, mit denen sich die reell verfügbare Jahreskapazität pro Maschine hochrechnen lässt.

Aktuelle Informationen der Verpackungsgruppen gehen davon aus, dass die durchschnittliche Jahreskapazität einer in Dreischicht betriebenen T1100S 50 Mio. m² beträgt. Bei der T400S wird dieser Wert mit 19 Mio. m²/Jahr angegeben. Legt man diese Zahlen für die sieben Preprint-Digitaldruckmaschinen in Europa zugrunde, verfügt der digitale Wellpappen-Preprint über eine jährliche Kapazität von 257 Mio. m2. Bezogen auf die europäische Gesamtkapazität von 2,25 Mrd. m²/Jahr hält der digitale Preprint damit einen Marktanteil von zurzeit 11 %. Durch den Digitaldruck hat er seine Kapazitäten um 13 % erhöhen können. [6368]

Lesen Sie den kompletten Artikel in der aktuellen Flexo+Tief-Druck 5-2018

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