Von Ansgar Wessendorf, Redakteur Flexo+Tief-Druck

Viel Bewegung im Tiefdruck

Für die Qualitätsprüfung flexibler Verpackungen wird häufig der Tiefdruck als Beurteilungsmaßstab zu Grunde gelegt, auch wenn die entsprechenden Produkte mit anderen Verfahren hergestellt wurden. „Die vorliegende bedruckte und veredelte Verpackung entspricht dem Qualitätsniveau des Tiefdrucks oder ist annähernd vergleichbar” – diese Formulierung ist nur allzu oft im Produktionsalltag zu hören.

Ein hartnäckiges Vorurteil

Dennoch hält sich die Meinung hartnäckig, der Verpackungstiefdruck sei behäbig, altbacken und schlicht zu teuer. Die Wirklichkeit ist jedoch geprägt von der Bereitschaft, auch in diesem längst etablierten Verfahren neue Wege zu gehen. Dies belegen aktuelle Entwicklungen in der Formherstellung und bei den Maschinenkonzepten für die wirtschaftliche Produktion kleiner Losgrößen. Der Tiefdruck ist ein technisch eher schlicht gehaltenes Verfahren: Druckzylinder einbauen, Farbpumpe einschalten, Rakel anstellen und Presseur ansetzen – kaum mehr bedarf es für den Start der Produktion. Im Unterschied zum Flexo- und Offsetdruck und bedingt durch seine strukturelle Übersichtlichkeit ist für den Tiefdruck die definierte und konstante Farbübertragung durch die Druckform von ungleich größerer Bedeutung.

Industrie 4.0 im Tiefdruck

Im Hinblick auf Standardisierung und Automatisierung hat sich mittlerweile einiges getan. Als Beispiel sei das Unternehmen 4Packaging genannt, dessen Prozessabläufe einen derart hohen Grad an Standardisierung und Organisation aufweisen, dass die Herstellung von Tiefdruck- und Prägeformen vollautomatisch und nahezu ohne Personal erfolgt. Industrie 4.0 lässt grüßen! Damit verbunden ist ein weiterer vielversprechender praktischer Ansatz zur Erschließung neuer Möglichkeiten für die Verschlankung des Workflows „Tiefdruckformherstellung“: Die Eleminierung des Prozessschritts „Andruck“ für die Qualitätskontrolle der Druckzylinder vor der Ausliefderung an die jeweiligen Kunden. Darüber hinaus erweitert die erfolgreiche Etablierung der Laserdirektgravur in der Tiefdruckformherstellung die Optionen hinsichtlich der Näpfchenformen, was die Übertragung auch schwieriger Medien ermöglicht.

Zylinder auf Leihbasis

Zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit des Verfahrens lässt sich die schmalbahnige, für Kleinaufträge ausgelegte Maschine Dynastar von Windmöller & Hölscher mit einem Konzept zum Leihen voll bebilderter Zylinder kombinieren, das in Kooperation mit dem Hersteller Janoschka entwickelt wurde. Ermöglicht wird dieses durchaus vielversprechende Konzept durch besonders leichte Rohlinge, die sich mittels eines neuartigen Verfahrens an die erforderlichen Umfänge anpassen lassen.

Der italienische Hersteller Uteco stellte mit der NXS 300 ebenfalls eine Schmalbahn-Tiefdruckmaschine vor. „Aktuell planen wir ein viertes Produktionswerk ausschließlich für Tiefdruckmaschinen“, so Aldo Peretti, Geschäftsführer der Uteco Group. Diese Aussage ist umso höher zu bewerten, da bislang hauptsächlich Maschinen und Anlagen für den Flexo- und Digitaldruck hergestellt wurden. [2891]