Manfred Römer

Sinn und Unsinn von Verpackungen

In einem Artikel von Saskia Gerhard (siehe Link unten) ist zu lesen, dass Mikroplastik mittlerweile überall zu finden ist. Im Eis der Arktis, wie in der Tiefsee. Der drastisch formulierte Bericht rüttelt auf und erinnert an das, was man darüber schon gelesen und gehört hat. Die Fakten des Reports setzen ein Gedankenkaleidoskop in Bewegung.

Der Ursprung der Mikroplastikteile weltweit dürfte zum großen Teil viele Jahre und Jahrzehnte zurückliegen. Zu Beginn des Booms der Kunststoffverpackungen haben wohl nur die Wenigsten daran gedacht, dass es einmal so weit kommen könnte.

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Neben den vielen anderen Reizthemen, die uns dieser Tage oder seit langem beschäftigen und beunruhigen, ist das Thema Verpackung gar nicht neu. Sehr lange schon sind sich die Verpackungsmittelhersteller ihrer Verantwortung bewusst. Es gibt zahlreiche Vorschläge und mittlerweile probate Lösungen mit dem überufernden Kunststoffmüllproblem fertig zu werden, oder das Volumen zu verringern. Denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass moderne Verpackungen – ich selbst beschäftige mich beruflich seit Jahrzehnten mit dem spannenden Thema der flexiblen Verpackungen – in unserer Welt unabdingbar geworden sind.

Quelle: Manfred Römer

Nicht zielführend: eigene Gebinde

Die Verteilung und im Besonderen die sichere Haltbarmachung von Lebensmitteln im Großen, werden nicht möglich sein, wenn, wie vorgeschlagen wird, jeder Kunde im Supermarkt oder beim Fachhändler mit eigenen Gebinden auftaucht.

Diese Art von Vorschlägen ist nicht zielführend, wenn man an das urbane Leben in großen Städten oder den Megacitys denkt. Die Grafik zeigt die Wachstumsentwicklung der Städte bis 2050. Im kleinsten Umfeld könnten solche Modelle sicherlich angewendet werden und den Zweck erfüllen.

Anteil der weltweiten Bevölkerung in Städten von 1985 bis 2010, einschließlich einer Prognose bis 2050 (Quelle: Statistika)

 „Grüner Punkt“ und Sortieranlagen

In einer idealen Welt würde nur genau so viel Verpackungsmaterial eingesetzt wie nötig. Jeder Haushalt würde das Verpackungsmaterial zur Wiederverwendung sortenrein sammeln und der erneuten Verwendung zuführen. Ein weitestgehend perfektes Kreislaufsystem entstünde und würde mit hoher Effizienz der Ressourcenschonung und dem Umweltschutz dienen. Diese Gedanken sind zumeist schon gedacht. Der „Grüne Punkt“ ist ein nicht erfolgreicher Versuch einen Teil des Haushaltsmülls – den Kunststoffanteil – für die Wiederverwendung zu sammeln. Der in den Haushalten vorsortierte Müll endet zumeist in der „thermischen Verwertung“, die, bei genauer Betrachtung, nicht die schlechteste Lösung darstellt.

Der Ansatz mit hochkomplexen Sortieranlagen sortenreine Kunststoffe zu erhalten und wiederzuverwenden (Kreislauf) ist ein weiterer lohnenswerter Ansatz, der die Techniker dieser Branche sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird. Die endgültige Lösung des Recycelns von Kunststoffmüll (Plastikrohstoff) wird diese Technik wahrscheinlich nicht sein können.

Mono-Materialien

Ideal wäre eine hochbarriere Verpackung aus nur einem Kunststoffmaterial, das durchaus mehrlagig sein kann. Die Sortieranlagen hätten dann ein leichtes Spiel. Neue Entwicklungen in dieser Richtung zeigen interessante Ergebnisse. Benötigt wird ein Verpackungsmaterial das verhindert, dass was „draußen“ ist nicht eindringt und umgekehrt, was „drinnen“ ist nicht raus kann. Das ist sehr einfach formuliert, stellt jedoch in der Summe ein „High-Tech Produkt“ dar – die moderne (flexible) Verpackung.

Benötigt wird ein Verpackungsmaterial, dass die Haltbarkeit verpackter Lebensmittel gewährleistet. Die Anforderungen der Füllgüter an die Verpackung lassen sich in drei Hauptgruppen einordnen:

  • Trockene Füllgüter: Verpackung …General Purpose (GP)
  • Flüssige Füllgüter, auch pasteurisiert: Verpackung       Medium Performance (MP)
  • Füllgüter, die pasteurisiert oder sterilisiert werden müssen: Verpackung High Performance (HP)

Das Verpackungsmaterial muss selbstverständlich dem jeweiligen (aggressiven) Füllgut widerstehen. Für die Form- und Füllprozesse auf schnell laufenden Maschinen werden Verpackungsmaterialien mit hohen mechanischen Festigkeiten benötigt. Ebenfalls ist bei vielen Lebensmitteln der Lichtschutz von großer Bedeutung. Diese technischen Anforderungen sind nur einige von vielen, mit denen sich die Verpackungsindustrie erfolgreich beschäftigt. Die oben genannten Leistungen werden heute von Mehrlagenverbunden perfekt bedient.

Die Differenzierungen erlauben selbstverständlich Einzellösungen, wie z.B. eine zweilagige flexible Verpackung aus nur einem Kunststoff mit eingebauter Barriere für die verschiedensten Füllgüter (z.B. flüssige und pastöse Füllgüter).

Hochbarriere Eigenschaften könne ebenfalls erreicht werden, durch SiOx- oder AlOx- beschichtete Materialien. Das sind weitere Schritte zum angestrebten Ziel, aber nicht die „Ultima Ratio“.

Moderne Verpackungen sind notwendig, daran gibt es keine Zweifel. Hinterfragen muss man jedoch die „Überverpackung“ von Lebensmitteln oder anderen Gebrauchsgütern. Die Biokunststoffe sind ein Weg, die klassischen Kunststoffe teilweise zu ersetzen. Das ist ein weiterer interessanter Baustein, aber die „Ultima Ratio“ werden diese Verpackungsmaterialien auch nicht sein.

Es besteht kein Zweifel an der Notwendigkeit, dass die verpackende Industrie – sei es nun Food oder non-Food – umdenken muss. Der Gesetzgeber hat bereits deutliche Signale gesendet. Vor allem sind die die Marketing- und Vertriebsverantwortlichen in der Pflicht. Denn das Verpackungsdesign der Zukunft wird sich nur noch an praktischen Parametern messen lassen müssen und nicht an Verpackungs-Gimmicks. [6360]

Links:

https://www.watson.de/Wissen/Analyse/281486640-Mikroplastik-ist-ueberall–sogar-im-Arktis-Eis–Was-wir-jetzt-noch-tun-koennen

https://www.watson.de/Leben/Umwelt/338272615-Warum-ist-jedes-Schokobon-einzeln-verpackt—Wir-zeigen-den-Muell-eines-einzigen-Einkaufs

 

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