virtual.drupa 2021: Bobst

Nachhaltige Verpackungen – ein Update zu interessanten Projekten von Bobst

Die kompakte und vielseitige Kaschiermaschine Nova SX 550 ist ausgelegt für die Fertigung kleiner Losgrößen (Quelle: Bobst)

In ihrem Bemühen um Nachhaltigkeit und eine schnellstmögliche Entwicklung recycelbarer Alternativen für nicht wiederverwertbare flexible Verpackungen durchschreitet die Kunststoffindustrie derzeit einen ihrer größten Umbrüche.

Während bei den Konsumenten die Bedeutung nachhaltiger Verpackungen immer mehr ins Bewußtsein rückt, fordern Markenartikler von ihren Lieferanten zunehmend recycelfähige Verpackungslösungen. Diese Markttrends forcieren die Weiterentwicklung lösemittelfreier Kaschierverfahren zur Verarbeitung neuer Verpackungsmaterialien und Kaschierklebstoffe, damit die Forderungen der Kunden umgesetzt werden können.

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Enge Zusammenarbeit mit Industriepartnern
Neben Konnektivität, Digitalisierung und Automatisierung zählt die Nachhaltigkeit zu den Eckpunkten der Vision von Bobst. Sie zielt darauf ab, Verpackungen zukunftsfähig zu machen. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen setzt das Schweizer Unternehmen in seinen weltweiten Competence Centern konsequent um. Sie nutzten dabei die gemeinsamen Synergien und profitieren vom multidisziplinären Know-how innerhalb der Bobst-Gruppe.

Die Klebstoffhersteller stehen in der Entwicklung an vorderster Front. Doch um erfolgreich zu sein, bedarf es der engen Zusammenarbeit aller relevanten Zulieferer entlang aus der gesamten Wertschöpfungskette, um Forschungs- und Entwicklungsergebnisse in produktreife Lösungen zu realisieren ”, erklärt Davide Rossello, Leiter des Competence Centers und Process Manager Gravure bei Bobst Italia. „Während wir also auf der einen Seite unsere Produktionsanlagen stetig weiter verbessern, damit sie nachhaltiger betrieben werden können, arbeiten wir auf der anderen Seite in unserem Competence Center in Italien sehr eng mit Industriepartnern zusammen. Dabei testen wir auf unseren Beschichtungs-, Kaschier- und Tiefdruckmaschinen neue Bedruckstoffe und Verbrauchsmaterialien auf ihre Eignung hin.“

„Diese enge Kooperation ist für uns von essenzieller Bedeutung. Sie stellt sicher, dass die Produktionsanlagen die neuen Verbrauchsmaterialien verarbeiten können, ohne dass bei Maschinengeschwindigkeit, Produktivität und Produktqualität Abstriche in Kauf genommen werden müssen”, ergänzt Davide Rossello.

Für die Verarbeitung einer neuen Generation recycelbarer Bedruckstoffe entwickelte Bobst seine bestehenden Technologielösungen für die Vakuummetallisierung, Beschichtung und Kaschierung weiter. Zusammen mit Kunden und Partnern aus der Verpackungsindustrie arbeitet man laufend an neuen Projekten. Viele von ihnen kooperieren bei den Forschungsprojekten eng mit Bobst Manchester und testen dort im Competence Center die Möglichkeiten der Vakuummetallisierung zur Beschichtung von Verpackungssubstraten. Nachfolgend ein Update zu einigen dieser neuen, sehr interessanten Projekte.

PE-PE-Monomaterial-Verbundstoffe
PE-PE-Monomaterial-Verbundstoffe für die Herstellung recycelfähiger, flexibler Verpackungen erfreuen sich wachsender Nachfrage. Die Entwicklungsarbeiten hierzu laufen zurzeit auf Hochtouren und sollen mehrschichtige Verbundfolien zu ersetzen, die sich nur schwer oder gar nicht recyceln lassen. Verbundfolien bestehen aus Schichten unterschiedlicher Materialien, deren sortenreine Trennung – wenn überhaupt – nur mit größtem Aufwand möglich ist.

Bei einem dieser Projekte arbeitet Bobst mit Ticinoplast und Plastchim-T (führende Hersteller von Folien aus PE und BOPE) sowie mit Sun Chemical zusammen. Getestet wurde ein neu formulierter Beschichtungsprimer und ein wasserbasierter Kaschierklebstoff zur Herstellung eines PE-PE-Monomaterial-Verbundstoffs mit hoher Barrierewirkung.

Der Maschinenbediener stellt die Nova SX 550 für den nächsten Produktionsauftrag ein
(Quelle: Bobst)

„Die Applikation des Primers auf das Monomaterial erfolgte in einer Kaschiermaschine Vision D 850 unter Einsatz eines Trolleys, der mit eine Druckkammerrakel ausgestattet war. Anschließend wurde das Substrat auf der Tiefdruckmaschine Master RS 6003 bedruckt und danach mit einer Nova SX 550 kaschiert. „Unmittelbar nach jedem Testlauf wurden die Ergebnisse analysiert und ausgewertet, so dass die Maschinenkonfigurationen und die Rezepturen für Klebstoff und Primer nahezu in Echtzeit anpasst werden konnten. „Zur Erreichung unseres Ziels benötigten wir nur ein Bruchteil der Zeit, die sonst dafür erforderlich gewesen wäre, hätten wir die einzelnen Prozessschritte an mehreren Standorten durchführen müssen“, erklärt Rossello.

Neue Generation lösemittelfreier Klebstoffe
Eine anderes Projekt mit Industriepartnern untersuchte die optischen Eigenschaften sowie das Produktivitätsniveau von einer neuen Generation schnell trocknenden, lösemittelfreien Kaschierklebstoffen für Folien mit Doppelbarriere, wie z.B. OPP AlOx+PP, MDO PE AlOx-PE oder PETp/PE-evoh-PE. Mit einem dieser Klebstoffe wurde auf den Kaschiermaschinen Vision D 850 und Nova SX 550 ein Doppelbarriere-Verbundstoff PETp/PE-evoh-PE bei Geschwindigkeiten von mehr als 350 m/min erfolgreich kaschiert. Dabei konnte eine hervorragende Benetzbarkeit des Kaschierklebers und ein perfektes optisches Erscheinungsbild der kaschierten Folie (ohne Blasenbildung) erzielt werden.

Wasserbasierte Kaschierkleber für sterilisierbare Beutel
Die Erweiterung des Einsatzspektrums recycelbarer Verbundmaterialien für sterilisierbare Beutelanwendungen, unter anderem für Tiernahrung oder Fertiggerichte, ist ein weiteres wichtiges Projekt an dem Bobst mit Unternehmen aus der Zulieferindustrie aktuell arbeitet. Sterilisierbare Beutel – und damit auch die Kaschierklebstoffe – müssen während der Sterilisation verpackter Lebensmittel sehr hohe Temperaturen standhalten. „Dieses Projekt rund um einen Monomaterial-PP-Verbundstoff, der die Herstellung einer AlOx-Folie mit einer Vakuummetallisierungsanlage von Bobst, eine AlOx-Deckschicht und die Kaschierung mit einem wasserbasierten Kaschierklebstoff umfasst, hat einige spannende Resultate hervorgebracht”, so Davide Rossello vielsagend.

 

Dieser Artikel erschien bereits im Special “Extrusion & Converting” der Flexo+Tief-Druck 1-2021 (Februar-Ausgabe).

 

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