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Flexo+Tief-Druck 4-2017

Wieviel Digital-Engagement darf es sein?

 

In meiner Funktion als Redakteur von Flexo+Tief-Druck beobachte ich aus nächster Nähe die Entwicklungen im Verpackungsdruck. Zu diesen Entwicklungen gehört die Einrichtung eines Competence Center Digitaldruck (CCD) an der HTWK Leipzig (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig) durch die DFTA sowie die Aktivitäten des Verbandes hinsichtlich der Gründung des Arbeitskreises „Digitaler Verpackungsdruck“ sowie das Angebot von Seminaren zu diesem komplexen Themenkreis.


Doch wieviel Raum darf der Digitaldruck in der Tätigkeit eines Verbandes einnehmen, der die Interessen eines konventionellen Verfahrens für den Verpackungsdruck vertreten und dies in all seinen Facetten nach außen darstellen soll?

Es ist daher wohl eher eine Frage der Verhältnismäßigkeit, wieviel personelle und finanzielle Ressourcen für „verfahrensfremde“ Aktivitäten eingesetzt werden, ohne die Belange des Flexodrucks zu vernachlässigen. Dabei handelt es sich anscheinend um ein Engagement, das über die sachliche Information eines Wettbewerbsverfahrens hinausgeht. So sah sich die DFTA gezwungen, in einem Positionspapier Stellung zu ihren Akktivitäten im Digitaldruck zu beziehen. Einige DFTA-Mitglieder merkten kritisch an, dass sich der Verband zu stark im Digitaldruck engagiere. Die DFTA begründet ihre Entscheidung für das Engagement im Digitaldruck sinngemäß damit, dass es aus ihrer Sicht fahrlässig wäre, die Entwicklungen im Digitaldruck zu ignorieren. In dem Papier wird betont, dass alle Aktivitäten der DFTA in Richtung Digitaldruck dazu dienen, den Flexodruck zu fördern und zu erkennen, in welche Richtung er sich weiterentwickeln muss.
Keine Frage – der Digitaldruck als Verpackungsdruckverfahren bietet enormes Potenzial für die Zukunft. Allerdings steht der überwiegende Teil der Digitaldruckmaschinen erst seit kurzer Zeit bei den Betreibern und diese müssen ihre langfristige Praxistauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Darüber hinaus sollte trotz allem Digitaldruck-Hype neben dem Flexodruck, auch der Offset- und Tiefdruck bei der Gesamtbetrachtung der Verpackungsdruckverfahren mit einbezogen und keinesfalls unterschätzt werden.

Moderne Tiefdruckmaschinen sind heute ohne weiteres in der Lage, flexible Substrate mit 3000 Laufmetern in höchster Qualität wirtschaftlich zu bedrucken. Auch in der vollautomatischen Tiefdruckformherstellung sind die Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft. Die rasante Entwicklung in der Lasertechnologie sowie die Forschung an neuen Werkstoffen lässt hier noch einiges erwarten.

Hinsichtlich Industrie 4.0 lässt sich vom Offsetdruck viel lernen: Ein durchgehender digitaler Workflow, miteinander kommunizierende Druckmaschinen sowie standardisiertes Produzieren mit einem Minimum an Personal sind in diesem Verfahren schon heute Realität.
Für Verbände als auch für Fachzeitschriften wie Flexo+Tief-Druck ist es nicht immer einfach, eine ausgewogene Balance zwischen den relevanten Themen zu finden. Nach vielen internen Diskussionen hat Flexo+Tief-Druck mit dem Special „Digital Printing today“ einen Weg gefunden, ihre Leser in jeder zweiten Ausgabe adäquat und aktuell über den digitalen Verpackungsdruck zu informieren.

Herzliche Grüße

Ansgar Wessendorf
Redakteur

wessendorf@gk-techmedia.com

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