Im Porträt: Vorstufenunternehmen Pulse Media

„Der Flexodruck erfährt eine enorme Dynamik“

Chris Rigby, Technical Director von Pulse Media (Quelle: Miraclon)

„Wir scheuen nicht davor zurück, unsere Kunden herauszufordern. Das ist für uns ein wirklich wichtiger Teil des Aufbaus und der Pflege einer Geschäftsbeziehung –  es geht darum, wie wir zu neuen Arbeitsmethoden kommen.“ Diese Worte stammen von Chris Rigby, das Unternehmen, über das er spricht, ist Pulse Media, und das im britischen Stockport angesiedelte Unternehmen hat letztes Jahr bei den von Miraclon ausgerichteten Global Flexo Innovation Awards eine Silber-Auszeichnung als Anerkennung für seine Workflow-Effizienz und Verfahrensumstellungen vom Offset- zum Flexodruck gewonnen.

Bei Bedarf kann Pulse seine Kunden an zahlreichen Punkten entlang der Flexo-Verpackungswertschöpfungskette herausfordern. Das Unternehmen hat ein Leistungsportfolio entwickelt, das von grundlegendem Design über Markenführung und Farbmanagement bis hin zu Druckbegleitung, Projektmanagement und Beratung reicht. Es ist heute weit von der Offset-Druckformherstellung mit Repetierkopiermaschinen entfernt, was bei der Gründung im Jahr 1982 das einzige Angebot von Pulse war. Damals waren lokale Druckereien die Kunden des Unternehmens, und heute positioniert sich Pulse als Druckmanagement-Agentur, die für weltweit agierende Konsumgütermarken arbeitet.

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Die Präsenz des Unternehmens im Konsumgütersektor reicht bis in die späten 1980er-Jahre zurück, als bei den Einzelhandelsketten die Explosion der Eigenmarken begann. Chris Rigby, Technischer Leiter von Pulse, sagt: „Kunden benötigten Lieferanten, die sicherstellen konnten, dass die Verpackungen über alle Verpackungsformate hinweg – Offset-Faltschachteln, Flexo-Beutel, Kartons aus Wellpappe oder mit UV-Farben gedruckte Etiketten – konsistent war. Pulse erkannte die Chance und ergriff sie, und 30 Jahre später ist das Erreichen von Konsistenz nach wie vor das Kernelement unseres Geschäfts.“

Im Mittelpunkt eines Dreiecks

Er beschreibt Pulse als eine Druckmanagement-Agentur: „Wir befinden uns im Zentrum eines Dreiecks, dessen Ecken von Designern, Markeninhabern und Druckern besetzt sind. Dabei ist es unsere Aufgabe, für Markenkonsistenz zu sorgen. Damit es funktioniert, müssen uns alle drei vertrauen, dass wir unsere Fachkompetenz einsetzen und in ihrem Interesse handeln, um die besten Ergebnisse zu erhalten.“ Der Auftrag, für den Pulse den Innovation Award gewann, ist ein gutes Beispiel dieser Zusammenarbeit. Die Bier-Kartonverpackung war bereits im Offset gedruckt worden, allerdings mit wenig überzeugenden Ergebnissen. Der Auftrag für Pulse lautete, sowohl die Druckqualität der gesamten Verpackung als auch die Farbkonsistenz zu verbessern. Ein technisches Team, in dem Pulse, die Druckerei, der Druckplattenlieferant und ein Druckfarbentechniker vertreten waren, untersuchte das Design unter Berücksichtigung von Faktoren wie getrennte Platten pro Farbe für Volltöne und gerasterte Elemente etc., um über die beste Herangehensweise zu entscheiden.

Chris Rigby fasst zusammen: „Beim Drucktermin zeichnete der Kunde, sobald der Auftrag im Passer war, gleich den ersten gezogenen Druck ab. Das dadurch schnellere Einrichten war ein zusätzlicher Vorteil. Insgesamt zeigte die im Flexo gedruckte Version einen besseren Passer, eine bessere Kontrolle der Hochlichtpunkte, hohe Volltondichten sowie eine verbesserte Konstanz im Druck – und all das auf einer großen Fläche und über die gesamte Druckproduktion hinweg. Das Ergebnis? Die Marke stellte schnell drei weitere Designs vom Offsetdruck mit anschließender Kaschierung auf den Flexodruck um.“

Dank Erfolgen wie diesem wächst Pulse trotz eines Marktumfeldes, das Rigby als „sehr schwierig“ bezeichnet und in dem, wie er es ausdrückt, der „Einkauf nur über den Preis“ gängige Praxis ist. Mit 50 Beschäftigten am Hauptsitz und fünf weiteren an Kundenstandorten passt Pulse laut Chris Rigby exakt in die Kategorie Klein- bis Mittelunternehmen: „Wir haben nicht die Einkaufsmacht der größeren Kollegen. Stattdessen müssen wir über Qualität und Service konkurrieren, und wir gewinnen regelmäßig neue Kunden, die sich enttäuscht von Niedrigpreisanbietern abwenden und nach jemand suchen, der ihnen ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis bieten kann.“

Der dynamischte Sektor

Hilfreich für Pulse ist auch, dass das Unternehmen mit dem Flexodruck in einem Segment der Branche tätig ist, das laut Rigby „heute der dynamischste Bereich des Verpackungsdrucks ist, in dem es im Verlauf des letzten Jahrzehnts die meisten Innovationen und die größten Qualitätsverbesserungen gegeben hat.“ Nach seinen Worten hat Kodak Flexcel NX daran einen großen Anteil. „Vor zehn Jahren war es für den Flexodruck noch schwierig, die Ergebnisse des Tief- und Offsetdrucks zu erreichen, doch NX hat hier für einen massiven Schub gesorgt – nicht zuletzt, weil andere Hersteller dadurch motiviert wurden, in den Flexoprozess zu investieren und die Qualität, die Druckmaschinensteuerungstechnik sowie die Druckfarben weiter zu verbessern. Ebenso wichtig war eine entsprechende Bereitschaft von Druckereien, sich mit dem Flexodruck zu befassen und die Grenzen des Machbaren weiter zu verschieben.“

Kurz- bis mittelfristig bringen diese Aktivitäten Technologien wie das Drucken im erweiterten Farbraum (Extended Color Gamut, ECG) bzw. mit fester Farbpalette (Fixed Color Palette, FCP) ins Spiel, da Markenunternehmen daran interessiert sind, sowohl die Druckkosten als auch den CO2-Fußabdruck durch Farbreduktion zu verkleinern. Da das Thema Nachhaltigkeit für die Verbraucher immer wichtiger wird, stehen recycelbare Materialien, insbesondere bei Kunststoffen, vermehrt im Blickpunkt. In diesem Zusammenhang ist Pulse gegenwärtig an verschiedenen Versuchen mit neuen Bedruckstoffen beteiligt. „Der Flexodruck erfährt eine enorme Dynamik“, sagt Rigby. „Angesichts der Qualität, Konsistenz und kürzeren Time-to-Market, die wir erreichen, gibt es immer weniger Argumente dafür, bei flexiblen Verpackungen weiter auf den Tiefdruck zu setzen. Die Auflagenhöhe ist häufig der einzige Grund, aber die Auflagen gehen Jahr für Jahr zurück, sodass selbst dieser wahrgenommene Vorteil im Lauf der Zeit an Bedeutung verlieren wird.“

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