Alle Blicke richten sich auf die Zukunft des Flexodrucks

Eine Blick in die Flexopalttenproduktion von Steurs Quelle: Miraclon

Jahrestage sind Anlass für einen Rückblick und eine Würdigung vergangener Leistungen. Steurs Graphic Solutions kann auf stolze 70 Jahre zurückblicken: 1949 gründeten die beiden Steurs-Brüder ein Unternehmen, das zu einem der führenden Verpackungs-Druckvorstufendienstleister Belgiens werden sollte. Der Rückblick wird allerdings kurz ausfallen, denn in dem Antwerpener Unternehmen richten sich alle Augen fest auf die Gegenwart und die Zukunft, um gemäß dem Firmenmotto „Lösungen für heute und morgen zu schaffen“.

Von solchen Lösungen wird laut Steurs-Geschäftsführer Dirk Cantens im heutigen Verpackungsmarkt eine Menge erwartet: „Wir produzieren für alle drei Verfahren – Tief-, Offset- und Flexodruck – und das ganze Spektrum der Verpackungsmaterialien, also Metall, Kunststoff, Faltschachteln, Glas und Folie. Unser Sektor unterliegt einem stetigen Wandel. Dazu kommt, dass jeder Markenartikler, jede Druckerei und jeder Verpackungsproduzent ganz individuelle Anforderungen hat. Jeder Betrieb ist anders.“ Für alle Akteure gelte allerdings eines gleichermaßen: „Wer auffallen will, braucht eine wirkungsvolle Verpackung. Wir nennen es zum Herzen der Verbraucher vordringen. Wirkung bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Kombination von Farbe, Bildqualität und natürlich Kreativität.“

Anzeige

Forschung und Entwicklung als Differenzierungsmerkmal

Mit Druckvorstufe, Medienvorstufe und kreativem Design bietet Steurs einen Komplettservice an. Seit 2014 unterhält das Unternehmen außerdem eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die sich mit der Entwicklung von Lösungen befasst. „Die F&E ist Teil unserer Philosophie, dass ein guter Prepress-Partner in der Lage sein muss, innovative Lösungen nach Maß zur Bewältigung der Herausforderungen seiner Kunden zu entwickeln“, erläutert Dirk Cantens. „Die Abteilung arbeitet eng mit unserer Vertriebs- und Produktionsleitung zusammen und ist bei fast jedem Gespräch mit Herstellern und Konvertern beteiligt. Ich glaube, wir sind der einzige Anbieter in unserer Region, der so vorgeht.“

Wie das in der Praxis aussieht? Nach einem Briefing erstellt die F&E einen Projektplan mit den Maßnahmen zur Entwicklung und Umsetzung der vorgeschlagenen Lösung, z. B. spezifische Tests auf der Druckmaschine mit anschließender eingehender Analyse. Als Nächstes entwickelt Steurs die spezifische Rasterungs- und/oder Farbmanagementlösung (Markenbezeichnung „S-Dot“ bzw. „S-Color“) und unterbreitet dem Kunden seine Empfehlungen. Nach der Genehmigung werden die Lösungen im Workflow implementiert.

Flexodruck wird attraktiver

S-Dot war eines der ersten Ergebnisse der F&E-Investition von Steurs und veranschaulicht die Gründe für die Einrichtung der Abteilung. Laut Dirk Cantens ging es ursprünglich darum, den Flexodruck für Markenunternehmen und Packmittelhersteller attraktiver zu machen: „Die Vorteile des Flexodrucks gegenüber dem Offset- und Tiefdruck sind allgemein bekannt: geringere Kosten, größere Flexibilität in Bezug auf Bedruckstoffe und kürzere Vorlaufzeiten – alles wichtig für Markenartikler und ihre Druckereien. Allerdings überwogen in der Vergangenheit die Zweifel an der Qualität und Gleichmäßigkeit der Drucke – Stichworte geringere Dichten und Flexo-Quetschränder.“

„Das änderte sich, als Flexcel NX auf den Markt kam, und in den letzten zehn Jahren haben wir beim Flexodruck sprunghafte Verbesserungen erlebt. Daher fiel unsere Wahl auf Flexcel NX von Miraclon als Plattform für eine neue Strategie zur Förderung des Flexodrucks als alternatives Druckverfahren. Unsere F&E sollte schwerpunktmäßig Lösungen zur Steigerung der Qualität und Stabilität des Flexodrucks finden.“

Laut Dirk Cantens, Steurs-Geschäftsführer, ging es ursprünglich darum, den Flexodruck für Markenunternehmen und Packmittelhersteller attraktiver zu machen
Quelle: Miraclon

S-Dot ist ein System an Rastertechnologien, die Steurs bei Flexcel NX anwendet, um Farbübertragung und Punktzuwachs in bestimmten Bildbereichen oder auf der ganzen Platte zu steuern. „Das bedeutet, dass wir variable Dichten einer Farbe mit einer Platte drucken können und somit höhere Dichten bei Volltonfarben reproduzieren und gleichzeitig den Punktzuwachs in Rasterbereichen reduzieren. Es gibt keine Quetschränder bei Barcodes, und Text kommt schärfer heraus. Wir können diese Ergebnisse auf jedem Bedruckstoff garantieren. Mittlerweile sind immer mehr Kunden aus dem Markenartikelbereich von den Vorteilen und der Qualität des Flexodrucks überzeugt und erwägen eine intensivere Nutzung des Verfahrens.

Auf die Frage, wie Steurs Markenartiklern und Verpackungsproduzenten den Flexodruck schmackhaft macht, hat Cantens eine klare Antwort parat: „Wir zeigen es ihnen einfach am praktischen Beispiel. Wir können immer mehr erfolgreiche Projekte vorweisen, die verdeutlichen, was der Flexodruck alles möglich macht: die schnellere Produktvermarktung, die niedrigeren Kosten und so weiter.“

Interessenten kann Steurs außerdem einen gut gefüllten Trophäenschrank präsentieren, in dem u. a. ein Benelux Packaging Innovation Award (für S-Dot) und eine Goldprämierung der ersten, von Miraclon organisierten Global Flexo Innovation Awards stehen. Für letztere reichte Steurs gemeinsam mit der Druckerei Helios Packaging ein CMYK-Druckerzeugnis auf hochschrumpfender PET-G-Folie ein. Helios hatte 2016 den Umstieg vom Tiefdruck auf Flexodruck beschlossen und seitdem arbeiten beide Unternehmen zusammen.

Dieser radikale Strategiewechsel war die Antwort auf drei neue Kundenanforderungen: kürzere Vorlaufzeiten, kleinere Produktionsmengen und höhere Kosteneffizienz. Laut Cantens war dies eine mutige und zugleich wohlbegründete Entscheidung von Helios als Reaktion auf Marktveränderungen insbesondere im Einzelhandel, aus dem die meisten Aufträge der Druckerei stammen: „Das war eine zukunftsweisende Entscheidung.“ Steurs war für Helios die logische Wahl, und während der letzten drei Jahre wurden bei der Erprobung und Feinabstimmung der neuen S-Dot-Technologie stetige Fortschritte erzielt, was unter anderem ihre Anwendung auf Schrumpffolien ermöglichte.

Infolgedessen ziehen immer mehr Markenunternehmen den Flexodruck als ernsthafte Alternative zum Tief- und Offsetdruck in Betracht. „Wir haben keine aggressive Verkaufstaktik nötig“, erklärt Dirk Cantens. „Wir lassen einfach die Druckbeispiele sprechen. Die Kunden erwarten von uns lediglich, dass der Flexodruck so gut oder besser ist als der Tiefdruck und dass sie ihr Design nicht ändern müssen.“ Nach den Worten von Dirk Cantens gibt es zwar immer noch ein paar Zweifler, die Qualitätsprobleme vermuten, doch mit jedem erfolgreichen Umstieg vom Tief- auf den Flexodruck werden die Bedenken geringer. „Wir erbringen jeden Tag den Beweis.“

 

Das könnte Sie auch interessieren