Nicola Kopp-Rostek (Geschäftsführerin des DFTA Flexodruck Fachverbands e. V.)
„Welche Entwicklungen, Trends und Herausforderungen erwarten Sie persönlich für die Verpackungsdruckindustrie im Jahr 2025?“
von Ansgar Wessendorf,
Nicola Kopp-Rostek, Geschäftsführerin des DFTA Flexodruck Fachverbands e. V.
Im Jahr 2025 wird die Verpackungsdruckindustrie vor zahlreichen Herausforderungen und Chancen stehen, die durch globale politische Entwicklungen, regulatorische Anforderungen und technologische Trends geprägt sind. Aus meiner Sicht als Geschäftsführerin des DFTA Flexodruck Fachverbands e. V. sehe ich diese Veränderungen nicht nur als Hindernisse, sondern vor allem als wichtige Weichenstellungen für unsere Zukunft.
Der Regierungswechsel in den USA und die anhaltende geopolitische Instabilität bringen zweifellos Unsicherheiten mit sich. Gleichzeitig sehe ich die bevorstehenden Neuwahlen zum Deutschen Bundestag als entscheidend dafür, wie Deutschland seine wirtschaftspolitische Ausrichtung gestalten wird. Wir müssen den internationalen Wettbewerb im Blick behalten und zugleich die dringend notwendigen Investitionen in die Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung vorantreiben. Beides ist unabdingbar, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche langfristig zu sichern.
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Ein wichtiger Treiber der Nachhaltigkeit ist für mich die europäische Gesetzgebung, insbesondere die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Natürlich stellen die ambitionierten Anforderungen an umweltfreundliche Verpackungen viele Unternehmen vor Herausforderungen – das kann ich nicht leugnen. Doch ich bin überzeugt, dass genau hier auch eine große Chance für unseren unternehmerischen Erfolg liegt. Wenn wir Stoffkreisläufe schließen und den Rohstoffverbrauch senken, etwa durch den stärkeren Einsatz recycelter Materialien, können wir sowohl ökologisch als auch ökonomisch profitieren. Die Ende 2024 verabschiedete Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), die z.B: auch einen Vorschlag einer Einspeisevergütung für Kunststoff-Rezyklate vorschlägt, wird uns dabei eine wichtige Orientierung geben. Aus meiner Perspektive eröffnet diese Transformation hin zu langlebigen, kreislauffähigen Produkten enormes Potenzial, besonders durch technologische Innovationen.
Ich sehe aber auch, dass die Umsetzung anspruchsvoll sein wird. Die Auswahl geeigneter Materialien – von faserbasierten Stoffen über Monomaterialien bis hin zu Kunststoffalternativen – und die Entwicklung von recycelbaren Verpackungslösungen, gerade bei lebensmittelkritischen Verpackungen, werden entscheidend sein. Hier müssen wir als Branche innovationsfreudig bleiben und den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Ein weiterer Aspekt, der mir besonders wichtig erscheint, ist die zunehmende Bedeutung digitaler Technologien, allen voran der Künstlichen Intelligenz. Was 2023/2024 noch wie ein Buzzword wirkte, wird 2025 ein wesentlicher Baustein für unseren Erfolg sein. Ich sehe in der KI eine riesige Chance, unsere Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren – gerade angesichts des Arbeitskräftemangels. Wer hier investiert, wird nicht nur flexibler und kosteneffizienter produzieren können, sondern auch die Qualitätssicherung auf ein neues Niveau heben. Für mich sind digitale, smarte und gleichzeitig kreislauffähige Verpackungslösungen ein realistisches Ziel, das wir anstreben und gemeinsam erreichen können.
Die Verpackungs- und Druckindustrie hat sich schon immer durch ihren Veränderungswillen und ihre Innovationskraft ausgezeichnet. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Stärken nutzen können, um in der Circular Economy eine Vorreiterrolle einzunehmen – und vielleicht sogar ein Vorbild für andere Branchen zu sein. Dafür brauchen wir technologieoffene Lösungen und strategische Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nur so werden wir die Herausforderungen meistern und die Chancen nutzen, die vor uns liegen.
Die DFTA wird die Mitglieder dabei unterstützen, diese technischen Entwicklungen zu begleiten und aktiv voranzutreiben. Durch gemeinsame Initiativen, den Wissensaustausch und die Förderung innovativer Projekte werden wir die Wettbewerbsfähigkeit der Branche stärken.