Jetzt erschienen! Flexo+Tief-Druck 2-2017 (März-Ausgabe)

Eine nahezu perfekte Verpackungsart

Inhalte der Flexo+Tief-Druck 2-2017 (März-Ausgabe)

 

40 globale Konzerne haben sich zu Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zur Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe verpflichtet, um damit die Verschmutzung der Meere mit derartigen Abfällen zu senken. Dazu gehören der weltgrößte Verpackungshersteller Amcor, die Konsumgüterproduzenten Procter & Gamble, Unilever, Mars, Danone und Coca-Cola, der Chemiekonzern Dow Chemical und die Einzelhandelskette Lidl.

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Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn all diese Marktteilnehmer haben zu dem stark angewachsenen Bedarf an Kunststoffverpackungen beigetragen, der mittlerweile bei rund 300 Mio. t pro Jahr liegt. Nur ein geringer Teil davon wird recycelt, während die Masse der Abfälle weiterhin auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen entsorgt wird. Allerdings trifft dies fast ausschließlich auf die Industrieländer zu, wobei die USA eine Sonderstellung einnehmen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes stammen die 30 Mio. t Plastikmüll, die jährlich in die Meere gelangen, zu ­einem Großteil aus Ländern wie China, Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Sri Lanka. Dort werden verbrauchte Kunststoffverpackungen oftmals schlicht weggeworfen und gelangen dann über
die Flüsse in die Meere. Soweit, so emotional.

Emotionalität ist allerdings oftmals ein zweifelhafter Ratgeber, denn in der aktuellen Diskussion wird vielfach unterschlagen, welch wichtigen Beitrag Kunststoffver­packungen zur Ressourceneffizienz und zum Produktschutz leisten. ­Unabhängig von ihrer jeweiligen Form wurden Kunststoffverpackungen seit 1991 durchschnittlich um etwa 25% leichter. Mit dieser Gewichtsreduzierung ließen sich ­allein im Jahr 2013 fast 1 Mio. t Kunststoff einsparen. Interessanterweise konnten diese Einsparungen trotz höherer Ansprüche an die Verpackungen wie Wiederverschließbarkeit, Portionierbarkeit sowie die Berücksichtigung neuer lebensmittelrechtlicher Anforderungen umgesetzt werden. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt soll hier ebenfalls nicht zu kurz kommen: Obwohl über die Hälfte der Konsumgüter in Kunststoff verpackt sind, liegt ihr Gewichtsanteil bei lediglich 24% des gesamten Verpackungsaufkommens. Darüber hinaus bieten optimierte Kunststoffverpackungen fast immer auch ökologische Vorteile, denn sie tragen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen bei und verhindern somit einen Ressourcenverbrauch, der deutlich höher liegt als für die Verpackungsproduktion benötigt.

Die Ziele der von den eingangs genannten Konzernen unterstützten MacArthur-Stiftung sind sehr hochgesteckt: 20% der Kunststoffverpackungen sollen direkt wiederverwendet und 30% entsprechend aufbereitet werden. Die andere Hälfte ist für die stoffliche Wiederverwertung vorgesehen.

Vor diesem Hintergrund sollte die öffentliche Diskussion des heiklen Themas von einem Höchstmaß an Sachlichkeit geprägt sein. Denn es ist eine Tatsache, dass leichtgewichtige Kunststoffverpackungen anderen Verpackungsarten aufgrund ihrer vielfältigen Eigenschaften hinsichtlich Produktsicherheit und Ressourcenschonung deutlich überlegen sind. In weiten Teilen der Erde tragen sie maßgeblich zur Versorgungssicherheit der dortigen Bevölkerung bei.

Dennoch muss das Problem des Plastikmülls von der Kunststoff­industrie offensiv angegangen werden. Gelingt es, in diesem Bereich eine Veränderung von der vielerorts noch vorherrschenden Wegwerfmentalität hin zu einer Kreislaufwirtschaft herbeizuführen, so würde sich die Kunststoffverpackung zu einer nahezu perfekten Verpackungsart wandeln. In diesem Zusammenhang könnten in Zukunft auch Bio-Kunststoffe weiter an ­Bedeutung gewinnen.

Herzliche Grüße

Ihr

Ansgar Wessendorf
Redakteur

wessendorf@gk-techmedia.com

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